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Gesetz | Praxis | Wirkung
Zwischen Reform und gesellschaftlicher Realität
WS 3/9 | Artikel

WS 3/9 | Integration von Migranten




Referenten: Andrea Martin | Larissa Meinunger
Moderation: Corinna Mantaj

„Auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben sind die Voraussetzungen nicht für alle gleich. Auf dem Weg zu einem guten Arbeitsplatz hapert es noch mit gleichen Teilhabechancen für Menschen mit Migrationshintergrund.“

(Annette Widmann-Mauz, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung)


Die rechtskreisübergreifende Perspektive: Larissa Meinunger

These 1 | Schnittstellen schaffen und „leben“ „Die Schnittstellen zwischen den Sozialgesetzbüchern II, III und VIII müssen so bewegt und gelebt werden, dass junge Menschen mit Unterstützungsbedarfen Anschlüsse und Zugänge zu einer selbständigen Lebensgestaltung und einer tragfähigen Erwerbsperspektive finden.“

These 2 | „Jede Kooperation braucht eine Initiative“ Rechtskreisübergreifende Kooperation ist von den beteiligten Akteuren abhängig. Daher ist es wenig zielführend, darauf zu warten, dass der „Andere“ initiativ wird. Welches übergreifende Ziel bildet den „Motor“, der alle Beteiligten gleichermaßen „bewegt“?

These 3 | Wertschätzung, Unvoreingenommenheit und ehrlicher Umgang miteinander als Erfolgsfaktoren. Rechtskreisübergreifende Kooperation bringt unterschiedliche Perspektiven und „Kulturen“ zusammen. Das liefert Reibungsfläche, birgt aber gerade auch viel Potenzial.


Die Perspektive des Jobcenters: Andrea Martin

These 1 | Eine konsistente Haltung zum Stellenwert der Integration in Arbeit ist unabdingbar. Es braucht eine praktische Herangehensweise, die sprachliche und kulturelle Integration sichert und gleichzeitig die Integration in Erwerbsarbeit im Blick hat.

These 2 | Sprachkurse: notwendige aber nicht hinreichende Bedingung. Sprachqualifizierung losgelöst von praktischen Anwendungsmöglichkeiten vor allem im Arbeitskontext funktioniert nur bedingt - hier greifen die Sprachkurse des BAMF zu kurz. Sprachqualifizierung braucht Anwendungsbezug. Notwendig sind neue Ansätze, die Sprachunterricht, berufliche Bildung und Arbeitspraxis eng miteinander verknüpfen. Und dies nicht nur für geflüchtete Menschen, sondern für alle Zugewanderten, sonst droht hier eine Zweiteilung der Integrationspraxis. Es geht auch um die Vermittlung von Alltags- und Arbeitstugenden, die in deutschen Betrieben vorausgesetzt werden.

These 3 | Erst die Männer, dann die Frauen? Das Rollenbild des SGB II erwartet von jeder erwerbstätigen Person Erwerbstätigkeit bis zum Rentenalter und folgt damit der Vorstellung einer partnerschaftlich egalitären Aufgabenverteilung in der Ehe. Allerdings wird dies nicht einmal in sozialen Schichten mit höherem sozio-ökonomischem Status gelebt. Für die Kunden des Jobcenters mit Migrationshintergrund und kulturell noch engeren Rollenmustern gilt die Emanzipation per Gesetz. Was bedeutet das für die Beratung im Jobcenter – ideologisch und praktisch?



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